Auffahrt 2020

 

Du stelltest dich zur Ehebrecherin, als sich alle von ihr distanzierten.

Du kehrtest bei dem Zöllner ein, als sich alle über ihn empörten.

Du riefst die Kinder zu dir, als alle sie wegschicken wollten.

Du vergabst Petrus, als er sich selbst verdammte.

Du flohst den Ruhm, als alle dich zum König machen wollten.

Du liebtest die Armen, als alle Reichtum erstrebten.

Du heiltest Kranke, als sie von anderen aufgegeben waren.

Du schwiegst, als alle dich verklagten, verspotteten und auspeitschten.

Du starbst am Kreuz, als alle Passa feierten.

Du nahmst die Schuld auf dich, als alle ihre Hände in Unschuld wuschen.

Du erstandest vom Tod, als alle meinten, alles sei zu Ende.

Jesus, ich danke dir, dass du anders bist.

 

Gebet

 

Herr öffne unsere Herzen, damit wir immer wieder neu erkennen können, dass du anders bist.

Du gingst deinen Weg nicht nach vorgeschriebenen Bahnen

Und übernahmst die Methoden dieser Welt nicht.

Lass uns in diesem Gottesdienst wagen, neue Wege zu suchen.

Mache uns offen für mehr Phantasie und überrasche uns mit deiner stets anders als erwarteten Gegenwart.


Apostelgeschichte 1, 1-14

Christi Himmelfahrt

 

1 Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte 2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. 3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. 12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.


  1. Petrus 2, 1-10

Das neue Gottesvolk

 

1 So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede 2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil, 3 da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. 4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. 5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. 6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.« 7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar. Für die aber, die nicht glauben, ist er »der Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein geworden« (Psalm 118,22) 8 und »ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Jesaja 8,14). Sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. 9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; 10 die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Gebet

Guter Gott,

in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du uns allen den Blick geöffnet für die Weite des Himmels.

Uns alle hast du herausgehoben aus unseren engen Grenzen, aus unserer Ohnmacht.

Schenke uns das feste Zutrauen, dass dein Himmel für uns offen steht und du uns eine Heimat in deiner Herrlichkeit bereitest.

 

St. Marita Meister

Lebendige Gottes-Steine

 

Schon mehr als eine Generation von Kindern ist bestens vertraut mit den Lego Bausteinen.

Man kann sie so vielfältig einsetzen und immer wieder etwas Neues damit bauen. Man kann sie ineinanderstecken und sie halten gut zusammen. Es hat seinen eigenen Reiz, etwas damit zusammenzubasteln.

Zugegeben: Mit einem einzelnen Lego Stein kann man noch nicht viel anfangen. Er liegt vielleicht nur unnütz herum. Bei zwei Steinen sieht man schon, wie sie sich zusammenfügen, wie sie sich gegenseitig halten. Mit zehn Steinen kann man immerhin schon eine kleine Mauer errichten. Wenn man hundert davon hat, dann ergibt das vielleicht ein ganzes Haus. Und mit tausend Steinen kann man wohl sogar eine Kirche bauen.

Wie wollen wir unsere Gemeinde bauen? Diese Frage stellt sich immer wieder aufs Neue, aber noch mehr in diesen Tagen, wo der Coronavirus uns zeigt, was in unserer Geselleschaft wichtig ist. Ich frage mich, ob unsere Kirchen noch dazu gehören.

Worauf sind wir stolz in unserer Gemeinde? Gibt es Momente, wo wir sagen können: „Ja, auf das bin ich stolz, deshalb kann ich auch andere Menschen zu uns einladen“? Oder tun wir uns manchmal etwas schwer mit der Werbung für unsere Gemeinde?

Vielleicht gibt es ja Dinge, die uns stören, Dinge, die uns nicht gefallen, Erfahrungen, die nicht gut waren und die wir immer noch nicht verdaut haben? Wie gehen wir damit um? Reden wir darüber? Miteinander? Untereinander? Übereinander? Oder lassen wir es einfach beim alten?

Aus welchem Material wollen wir unsere Gemeinde bauen? Steine? Holz? Beton? Vielleicht aus Lego-Steinen? Die sind bunt und halten gut zusammen.

Petrus lädt uns dazu ein, die Kirche aus den wertvollen lebendigen Bausteinen, die wir selber sind, zu bauen. Es heisst im 1. Petrusbrief: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“.

Jede und jeder von uns ist dabei ein Baustein, ausgewählt und berufen von Jesus Christus selbst seit dem Tag unserer Taufe. Er will mit uns und er will auf uns bauen. Und zusammen mit allen anderen Christen, die sich einbringen, entsteht ein geistiger Bau. Darauf kommt es an, dass wir nicht nur für uns allein leben, auch nicht nur für uns allein christlich sind. Das wäre zu wenig.

So wie der einzelne Lego Stein noch nicht viel hermacht und nichts darstellt, so ist auch der Christ für sich allein ziemlich unnütz und überflüssig. Es kommt darauf an, dass er den Verbund mit anderen Christen sucht. Wenigstens ein paar sollten es schon sein. Denn Jesus hat ja auch gesagt: Wo zwei oder drei im meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Und es dürfen durchaus auch noch mehr sein. Mit dem Nächsten aber gilt es den Zusammenhalt zu üben. Darin bewährt sich die Kraft im System des Christentums. Darum steht in unserem Glauben die Nächstenliebe mit an oberster Stelle.

Je mehr lebendige Steine zusammenkommen, umso größer und vielseitiger, umso interessanter und origineller wird der geistige Bau der Kirche. Je mehr Menschen sich darin einbringen, umso stärker und stabiler wird die Gemeinschaft unserer Kirche. In einer Zeit, die doch so sehr geprägt ist vom Individualismus und von der Eigenbrötelei, in einer Zeit, in der jeder möglichst seine eigenen Wege gehen und seine eigenen Entscheidungen treffen will, hat es eine Gemeinschaft wie die Kirche und übrigens wie viele andere Gemeinschaften ziemlich schwer, die Menschen zusammenzubringen. Manchmal will es scheinen, als ob die Steine aus dem Haus der Kirche in alle Richtungen auseinanderfallen wie bei einer Explosion.

Doch viele suchen auch wieder den Zusammenhalt in der Kirche. Ich denke, wir alle gehören dazu. Darum treffen wir uns regelmäßig zu unserem Gottesdienst. Wir bilden die Kirche nach dem Bauplan Jesu Christi. Sie wird wohl immer wieder neu umgebaut und der jeweiligen Zeit und ihren Notwendigkeiten angeglichen werden müssen. Aber gerade das ist ja auch das Schöne, nicht nur am Lego System, sondern auch in der lebendigen Kirche. Man kann sie stets neu gestalten. Wir brauchen heute darin nicht nur den geschlossenen Raum, in dem wir geschützt zusammen sind. Die Kirche von heute braucht erst recht große Fenster, damit frischer Wind hineinkommt, und Türen, die offen bleiben für die Nöte und Ansichten der anderen, offen für den Dialog und einladend für alle, die den Zugang suchen.

Bauen wir mutig weiter an der Kirche! Und lassen wir selbst uns darin einbauen. Wir sind die Bausteine in der Hand des Herrn. So könnte man das Wort Lego vielleicht auch deuten als Abkürzung für Lebendige Gottessteine. Lego ist nur ein Spiel, unsere Aufgabe für uns ganzes Leben aber ist es, dass wir stabile Bausteine in der Hand Gottes sind, dass wir uns zusammenfügen und einander gegenseitig halten, uns tragen und ertragen, damit dann Gott selbst in unserer Gemeinschaft seine Wohnung nimmt.

Lego – Lebendige Gottesssteine. Schauen wir einander an: wir sind Lebendige Gottessteine. Das ist ein grosses Programm, aber ein nicht ganz immer einfaches Programm! Da gibt es Steine, die gefallen uns besser als andere. Form, Farbe, Zusammensetzung spielen da eine Rolle. Und dennoch: die Kirche wird mit allen Gottessteinen gebaut, egal welcher Herkunft, egal welcher Glaube, egal welcher Charakter. Aber nicht alle haben dieselbe Funktion und dieselbe Verantwortung. Und natürlich muss jeder für sich die Frage stellen, ob er am richtigen Ort ist, ob er seine Gaben richtig einbringen kann, ob seine Lebensenergie fliesst.

Schnell denken wir jetzt wieder an unsere Sitzungen, an die Budgets und vergessen manchmal darüber, dass unsere Kirche auch Träume braucht und den Glauben, der die Steine zusammenhält und vielleicht auch manchmal den Stein ins Rollen bringt.

An unsere Traumkirche zu glauben, ist besonders am Auffahrtstag wichtig,

Himmelfahrt, Auffahrt ist ein eigenartiges Fest, da es bedeutet, dass Jesus zu seinem Vater zurückkehrt.
Jesus verlässt uns. Und wir sind auf uns allein gestellt. Wenn wir alleine sind, kann sich jedoch schnell Resignation einstellen. Wie sollen wir das schaffen? Das ist alles viel zu schwer! Zu kompliziert!

In der Apostelgeschichte heisst es: « Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Welt ».

Die Kraft des Heiligen Geistes half den Aposteln und heute auch uns, Zeugen zu sein. Zeugen, die überzeugend wirken, die einladend und herzlich sind, die sich ihrer Grenzen bewusst sind und sich trotzdem einsetzen.

Es liegt an uns den Himmel auf Erden zu holen, genau wie es folgende Geschichte beschreibt:

« Von einem jüdischen Lehrer, einem Rabbi, ging die Sage um, daß er jeden Morgen vor dem Frühgebet – zum Himmel aufsteige. Ein Gegner lachte darüber und legte sich vor Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er, wie der Rabbi als Holzknecht verkleidet sein Haus verließ und in den Wald ging. Der Gegner folgte von weitem. Er sah den Rabbi Holz fällen und in Stücke hacken. Dann lud er sich die Holzstücke auf den Rücken und schleppte sie in das Haus einer armen, kranken, alten Frau. Der Gegner schaute durch das Fenster, und sah den Rabbi auf dem Boden knien und den Ofen anzünden. Als die Leute später den Gegner fragten, was es denn nun auf sich habe mit der täglichen Himmelfahrt des Rabbi, sagte er: „Er steigt noch höher als bis zum Himmel.“

Die Geschichte will sagen, daß der Himmel nicht ein Ort ist, der irgendwo über der Erde im Weltall zu finden ist. Der Himmel ist vielmehr dort, wo Menschen Gutes tun, wo sie einander helfen. Der Rabbi hatte durch sein soziales Handeln den Himmel geerdet.

Gott braucht uns, seine lebendigen Steine. Er schenkt uns seinen Geist, damit wir uns gegenseitig begeistern können. Und nur wenn wir begeistert sind, spielen wir auch gut zusammen. Denn das Wort Lego leitet sich von dänisch leg legodt ab: “spiel gut”.

So lasst uns nun gut miteinander spielen als lebendige, begeisterte Steine Gottes!

 

Amen

Gebet

Komm, Du Vater der Armen,
lass uns unsere Armut erfahren,
dass unsere Bedürftigkeit nach Dir zu einem Schrei wird.

Komm, Du Finger Gottes,
rühre uns an,
dass wir neu werden in Dir.

Komm, Du Sturm des Himmels,
fege unsere ungeerdeten Luftschlösser hinweg.
Durchwehe uns,
dass wir aufhören, uns etwas vorzumachen.

Komm, Du Lebendigmacher,
hauch uns Dein Leben ein,
dass unser Miteinander lebendig wird.

Komm, Du Feuerzunge,
stecke unser Herz in Brand,
dass wir nicht mehr von Dir schweigen können.

Komm, Du Geist des Friedens,
zeige uns, was wir tun sollen,
damit der Ort, wo wir stehen,
aufblüht zum Leben für alle, denen wir begegnen.

Veni, Sancte Spiritus!

Amen.

 

Schwester Ancilla. Domklarissen Münster

 

Segen

Gott stärke, was in dir wachsen will,

er schütze, was dich lebendig macht.

Gott schenke dir, was für dich heilsam ist,

er schaue darauf, was du freigibst.

Gott segne dich,

du wirst ein Segen sein

und neu aufbrechen ins Leben.

Amen.

 

(Quelle unbekannt)